Die Erwartungen an eine künftige Zinserhöhung der Federal Reserve wachsen im Vorfeld der Sitzung des Federal Open Market Committees (FOMC) in dieser Woche, auch wenn allgemein erwartet wird, dass die Währungshüter den Leitzins vorerst unverändert lassen.
Prognosemärkte auf Kalshi schreiben der Fed derzeit eine 64-prozentige Wahrscheinlichkeit zu, die Zinsen vor Juli 2027 anzuheben. Der Stimmungswandel erfolgt vor dem Hintergrund anhaltend hoher Inflation. Die US-Verbraucherpreise stiegen im Mai um 0,5 %, die Jahresinflationsrate beschleunigte sich auf 4,2 %.
Wandel in der Anlegerstimmung
Eine Umfrage von Bank of America unter Fondsmanagern zeigt eine deutliche Veränderung der Markterwartungen. Fast 40 % der Befragten rechnen nun innerhalb der nächsten 12 Monate mit mindestens einer Zinserhöhung – ein deutlicher Anstieg gegenüber 16 % im Vormonat. Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen, die Zinssenkungen erwarten, auf 28 %.
Daten von CME FedWatch zeigen eine 99,4-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Währungshüter die Zinsen nach Abschluss ihrer Sitzung am 17. Juni unverändert lassen. Kevin Warsh leitet sein erstes FOMC-Treffen, nachdem er von Präsident Donald Trump ernannt wurde.
Ausblick bis 2027
Eine separate CNBC-Umfrage unter 32 Ökonomen, Strategen und Fondsmanagern ergab, dass keiner von ihnen eine Zinsänderung auf der Sitzung dieser Woche oder zu irgendeinem Zeitpunkt bis 2027 erwartet. Auch die Fed-Funds-Futures-Märkte haben sich verändert, wobei die Händler in den nächsten Jahren keine deutliche geldpolitische Lockerung mehr erwarten.
88 % der CNBC-Befragten erwarten jedoch, dass die Fed die Formulierung streicht, die darauf hindeutet, dass ihr nächster Schritt wahrscheinlich eine Senkung sein würde. Ein solcher Schritt würde signalisieren, dass die Währungshüter nicht länger zu einer Lockerung der Geldpolitik neigen.
Inflation und geopolitische Faktoren
Steigende Energiekosten haben zum Inflationsbild beigetragen, wobei die Ölpreise aufgrund der Spannungen zwischen den USA und dem Iran steigen. Der Konflikt hat Bedenken hinsichtlich möglicher Versorgungsunterbrechungen geschürt.
EY-Chefvolkswirt Gregory Daco merkte an, dass Warsh zwar allgemein als taubenhaft (dovish) wahrgenommen werde, er jedoch ein Komitee übernehme, das „merklich falkenhafter (hawkish)“ geworden sei. Eine mögliche Einigung zwischen den USA und dem Iran, die nach Abschluss der CNBC-Umfrage bekannt gegeben wurde, könnte den Energiepreisdruck mildern und den politischen Entscheidungsträgern mehr Flexibilität verschaffen, wenn die Inflation zu sinken beginnt.
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